„Das war ganz toll“, berichtet eine angehende Erzieherin. „Ich habe viel Neues über zentrale Werte wie Respekt, Toleranz und Gewaltfreiheit in den Religionen gelernt.“ Eine Mitschülerin ergänzt: „Das war ein gelungenes Beispiel für einen jüdisch-muslimischen Dialog.“
Seit November 2025 setzt das interreligiöse Schulprojekt „meet2respect“ ein starkes Zeichen für Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Authentische Vertreterinnen verschiedener Religionen besuchen in Tandems oder Tridems (jüdisch, muslimisch, christlich) Schulklassen, treten in den Dialog miteinander und mit den Schülerinnen und positionieren sich klar gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Beleidigungen gegenüber Andersgläubigen.
Im Rahmen dieses Projekts besuchten der jüdische Rabbiner Daniel Alter sowie die beiden muslimischen Lehrkräfte Verena Ben Neticha und Jasmina Makarevic an zwei Tagen mehrere Klassen der Beruflichen Schulen Gelnhausen. Ziel ihres Besuchs war es, das gegenseitige Verständnis zu stärken und ein friedliches Miteinander der Religionen zu fördern.
Als lebendiges Beispiel für ein respektvolles und freundschaftliches interreligiöses Miteinander führten sie Gespräche mit den Schüler*innen und beantworteten offen deren Fragen. Dabei ging es unter anderem um Themen wie das Zusammenleben der Religionen, persönliche Glaubensüberzeugungen und die Rolle von Religion als moralische Orientierung. Auch Unterschiede innerhalb des Islam sowie die Vereinbarkeit von religiösen Traditionen mit modernen, pluralistischen Gesellschaften wurden diskutiert.
Zugleich berichteten die Referent*innen von eigenen Erfahrungen mit Hass und Diskriminierung. Rabbi Alter erzählte, dass er das Projekt im Jahr 2012 in Berlin mitbegründet habe, nachdem er selbst auf offener Straße angegriffen und beleidigt worden war.
Moderiert wurde die Veranstaltung im Religionsunterricht von Schulpfarrerin Helga Czysewski. Die Schüler*innen der Höheren Fachschule für Sozialassistenz sowie aus dem Fachbereich Wirtschaft zeigten großes Interesse und Offenheit gegenüber den Themen.
Im Austausch wurde deutlich, dass Judentum und Islam in vielen religiösen Praktiken Gemeinsamkeiten aufweisen. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass Vorurteile und insbesondere Antisemitismus häufig aus mangelndem Wissen entstehen. „Es gibt in allen drei Religionen noch viel Unwissen“, betonte Schulpfarrerin Czysewski.
Darüber hinaus erklärten die Religionsvertreter*innen, dass viele vermeintlich religiöse Vorschriften oft kulturelle und historische Ursprünge haben – etwa Regeln zur Eheschließung innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft.
Der direkte Austausch mit authentischen Vertreter*innen der Religionen leistete einen wichtigen Beitrag dazu, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.